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Gnadenlos ehrlich: Alfred Dorfer überzeugte in der Aula mit rabenschwarzem, geistreichem Humor

Vor ihm ist nichts und niemand in Sicherheit: Der österreichische Kabarettist Alfred Dorfer bot bei Kultur i de Aula Satire höchster Güte. Er nahm von den Goldachern über die Schweizer und ihre Nachbarn bis hin zum Papst alle ins Visier.

CORINA TOBLER

GOLDACH. Alfred Dorfer: In der Schweiz kennt man ihn kaum, in Österreich hingegen ist er seit Jahren Kult, hat eine eigene Fernsehsendung und jede Menge Preise für seine Leistungen als Kabarettist bekommen. Am Wochenende stellte er in der Aula mit seinem Programm «Bis jetzt», einem Rückblick auf 25 Bühnenjahre, eindrücklich unter Beweis, wieso er so erfolgreich ist.

Überzeugende Band

Was das Publikum geboten bekam, war Satire vom Feinsten, mal locker und lustig, meist aber scharfsinnig und gnadenlos ehrlich auf den Punkt gebracht. Mit dem Ziel, einen Abend lang die Zeit zu überlisten («das erfordert Denken, Politik kommt aber trotzdem vor»), begab Dorfer sich auf eine sprachliche Reise von der Geburt bis ins Jenseits, gespickt mit Seitenhieben gegen alles und jeden – inklusive sich selbst.

Dabei brillierte er bereits bei obligaten Themen wie Pubertät und Ehe («Frauen werden in der Ehe notgedrungen unattraktiv, weil sie immer die Einkäufe schleppen müssen. Aber es ist doch klar, dass wir nicht helfen, wir wollen doch nicht auch noch so lange Arme bekommen!»). Auch die gelegentlichen Gesangseinlagen, die er komödiantisch und instrumental überzeugend unterstützt von Günther Paal (herrlich langsam im Reden und Verstehen), Peter Herrmann und Lothar Scherpe zum Besten gab – mit viel Wiener Schmäh.

Selbst der Papst muss herhalten

Zur Hochform lief Dorfer aber stets dann auf, wenn er die Gesellschaft und ihre Institutionen ins Visier nahm. Nicht nur die Musik- und übrigen Lehrer mussten herhalten, sondern auch die Universitäten mit ihren «Semi-Narren», die der Kabarettist einst selbst besuchte. Auch vor den heikelsten Themen schreckte Dorfer nicht zurück. So ernannte er sich kurzerhand zu Gott, um einen Zeugen Jehovas davon abzuhalten, ihm den Weg dorthin zeigen («er schaute mich verdattert an, gilt aber jetzt als Prophet»), und verkörperte kurz darauf einen sinnierenden Papst: «Wenn alle verhüten, wer verhungert dann?»

Krieg als Würfelspiel

Doch nicht nur die Kirche, sondern auch die kriegführenden Staaten nahm Dorfer schonungslos ins Visier. Er brachte nicht nur die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg unverblümt auf den Punkt («Sie hat gezeigt, wie man Kriegsverbrechen begehen kann, ohne Krieg zu führen»), sondern stellte Krieg als ein Spiel der Machthaber dar. «Ein Würfelspiel, das den Spielern Spass machen soll. Die Idee dahinter braucht es nur als Vorwand.»

Das Resultat solcher verbaler Nadelstiche war ein rabenschwarzes Bild einer Welt, in der Politik mit «Lügen wie ehrlichen Banken, Globalisierung ohne Verlierer und Euro-Rettungsschirm» gleichzusetzen ist. Trotz bitterböser Zunge verlor Dorfer aber nie seinen Charme und hatte die Menschen im Saal jederzeit auf seiner Seite.

Zum Glück gibt's noch die Kunst

Das Publikum und das Team, dessen Mitglieder sich den Österreicher schon lange auf ihre Bühne gewünscht hatten, waren gleichermassen begeistert. Das Lachen verging ihnen vor allem aus drei Gründen nie. Erstens: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Zweitens ist die Wahrheit subjektiv. Und drittens gibt's nicht nur die Realität, sondern auch die Kunst. Für letztere brach Dorfer zum Ende seines Auftritts eindrücklich eine Lanze.

Er erinnerte an die Geschichte vom trojanischen Pferd, das die Griechen ihren Feinden schenkten, nur um dann mit ihren besten Kriegern, die im Innern des Holztieres versteckt waren, die gutgläubigen Trojaner in der Nacht zu überfallen. «Stellen Sie sich vor, ein Künstler sähe das geschenkte Pferd. Er würde es schön einpacken und dekorieren, um daraus ein richtiges Kunstwerk zu machen. Das Böse darin wäre für immer gefangen…»