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Tagblatt: Grosse Kleinkunst in der Provinz

GOLDACH. Ein mürrischer Deutscher, belgische Chorknaben und bissige Schweizer – preisgekrönte Künstler aus Musik, Theater und Kabarett stehen auf der Bühne bei «Kultur i de Aula». Heute beginnt der Vorverkauf für die neue Saison.

Lea Müller

Das Team von «Kultur i de Aula» ist stolz. Stolz darauf, dass es für die 18. Saison in der Goldacher Aula wieder hochkarätige Künstlerinnen und Künstler verpflichten konnte. «Mit Alfred Dorfer kommt einer der bekanntesten Österreicher Kabarettisten zu uns nach Goldach in die Provinz», sagt Mitorganisator Werner Stuber und erzählt lachend: «Wir haben ihn ganz scheu angefragt. Dass er zugesagt hat, ist einfach wunderbar.» Dorfers Zusage zeigt aber auch: «Kultur i de Aula» hat sich als Bühne für nationale und internationale Kleinkunst längst etabliert – ihre Vertreter reisen für zwei Abende gerne in die Provinz.

Vom Lachen zum Wutausbruch

Die Spielzeit 2011/2012 eröffnen am 28. und 29. Oktober sechs belgische «Chorknaben». Entstanden ist die Formation Voice Male aus Mitgliedern des Kirchenchors der Antwerpener Kathedrale. Mit Witz und Charme hat sich die Gruppe zu einer der erfolgreichsten A-cappella-Formationen Europas gemausert.

Am 11. und 12. November steht ein mürrischer Franke auf der Bühne. Der deutsche Newcomer Matthias Egersdörfer erzählt Geschichten, die er eigentlich traurig findet. Wenn das Publikum trotzdem lacht, bleibt er todernst oder verliert sich gar in einem Wutausbruch. «Egersdörfer ist das Gegenteil eines Comedians, wie wir ihn uns vorstellen», sagt Werner Stuber. «Das Publikum in der Aula wird etwas Neues auf der Bühne sehen.» Für seine launischen Geschichten hat Egersdörfer im vergangenen Jahr den deutschen Kleinkunstpreis erhalten.

Mit dem Auftritt des Österreichers Alfred Dorfer folgt am 9. und 10. Dezember der Höhepunkt der Saison: In seinem 25-Jahr-Jubiläumsprogramm «Bis jetzt» schaut er zurück und kombiniert Ausschnitte aus seinen bisherigen Produktionen. Mit viel Selbstironie und schwarzem Humor präsentiert der Kabarettist seine eigene Biographie. Am 13. und 14. Januar geht der deutsche Comedian Ingo Börcher der Frage über den Sinn und Unsinn der vernetzten Welt nach. «Die Welt ist eine Google» heisst sein Soloprogramm. Er unterhält das Publikum mit heiter-bösen Gedanken zu Lese- und Lebenszeichen, zum Posten und Podcasten.

Musiker treffen Schauspieler

Am 24. Februar steht ein Spezialanlass auf dem Programm. Das Appenzeller Trio Anderscht trifft auf die Schauspieler von «Theater am Tisch». «Beide Gruppen sind Trouvaillen aus der Region», sagt Werner Stuber. «Wir wollen auch regionalen Künstlern ein Podium bieten.» Im Programm «Saitenflug» kombinieren Andreas Kind (Hackbrett), Fredi Zuberbühler (Hackbrett) und Baldur Stocker (Kontrabass) traditionelle Klänge mit Djembes, spielen Jazz, Klassik und arabische Melodien. Am selben Abend erzählen Diana Dengler und Marcus Schäfer, beide Schauspieler am Stadttheater St. Gallen, in einer szenischen Lesung aus dem Kultroman «Neue Vahr Süd» von Sven Regener. Willi Hänes Akkordeon spielt den Soundtrack zur Alltagsprosa.

Am 9. und 10. März gibt es ein Wiedersehen mit dem Schweizer Duo Schön und Gut. Die skurrilen, aber geistreichen Geschichten von Anna Katharina Rickert und Ralf Schlatter versprechen einen Kulturabend mit hitzigen Wortgefechten. «Der Fisch, die Kuh, das Meer» ist ihr drittes abendfüllendes Programm.

Der Spezialanlass am 14. März ist für die jüngsten Zuschauer gedacht: Das Schweizer Clown-Duo Commedia-Magica spielt das Stück «Foif» für Kinder und Erwachsene. Obwohl die Kindervorstellungen nicht gleich gut besucht sind wie die Abendprogramme, wollen die Organisatoren von «Kultur i de Aula» daran festhalten. «Sie gehörten von Anfang an dazu», sagt Werner Stuber.

Noch kein Platzproblem

Den Abschluss der 18. Saison macht am 30. und 31. März das preisgekrönte Duo Gogol & Mäx aus Deutschland. Die beiden touren seit Jahren quer durch Europa und stellen ihr Musikkabarett vor. Die beiden kommen ganz ohne Worte, dafür mit viel Witz, Tempo und musikalischer Poesie aus.

Die vergangene Saison brachte den Veranstaltern von «Kultur i de Aula» einen Rekord ein: Noch nie wurden so viele Kulturpässe verkauft. Wird die Aula mit 262 Plätzen langsam zu klein für die Kulturabende? Werner Stuber winkt ab: «Wir wollen unser Konzept beibehalten. Es hat Erfolg und die Gäste sind zufrieden.»