Bauchweh vom Dauerlachen
Kabarettist Christoph Sieber gönnte dem Publikum in der «Aula» keine Erholung.
Bild: Rudolf Käser
GOLDACH. Ein weiterer Volltreffer im Programm von «Kultur i de Aula» in Goldach. Der süddeutsche Kabarettist Christoph Sieber überzeugte mit brandaktuellen Themen und präsentierte diese aussergewöhnlich humorvoll.
rudolf käser
Die Stimmung bei Apéro und Häppchen war bereits lange vor Programmbeginn aufgeräumt. Ob dabei Besucherinnen und Besucher bereits ahnten, was ihnen während über zwei Stunden blühen wird? Denn viele vermochten sich während des Programms vor lauter Lachen kaum zu erholen.
Eine Reise nach Berlin
Christoph Sieber vermochte das Publikum ab den ersten Sequenzen in seinen Bann zu ziehen. Und er zeigte sogleich auf, dass er, immer topaktuell, ein hinreissendes Programm abliefern kann.
Zuerst meinte er klipp und klar. «Ich bin ein Deutscher – so jetzt ist's raus.» Und der vom süddeutschen Baden stammende Kabarettist machte gleich Werbung für die Hauptstadt. «Ich plane ein kostengünstiges Wochenende in Berlin und übernachte in Polen.»
Die Olympischen Spiele gehörten ebenso in seine Repertoire wie der Fussball. Konkret war es der deutsche Nationalspieler Lukas Podolsky, der es ihm angetan hat. «Im unteren Körperteil ist er ganz schnell und das oben kommt hinterher.
» Und beim Interview habe Poldi gemeint: «Fussball ist wie Schach – nur ohne Würfel.» An die Gesundheitssportler gerichtet, meinte Sieber: «Die Welt bewegt sich – mit Nordic Walking. Die Welt geht am Stock.»
Immer topaktuell
Christoph Sieber, immer mit prägnanter Mimik, meistens ganz heiter und emotional, dann auch wieder ruhig, fast melancholisch, war in allen Bereichen immer topaktuell. Das betraf beispielsweise das Wetter, die aktuelle Politik oder der Wirbel um die Banken-CDs.
«Die Art, wie er die Aktualitäten plaziert, finde ich besonders gut», meinte eine Besucherin. Natürlich bezog er auch das Publikum mehrmals mit ein. Dabei meinte ein Goldacher Besucher, dass ihn die Barriere in Goldach wütend mache. Christoph Sieber nutzte diese Antwort zu wahren Wutausbrüchen, in bühnenreifer Mimik und Wortwahl.
Eine Besucherin schien nicht unglücklich zu sein, als nach einer Stunde endlich Pause angesagt war. «Es war mega-lustig. Zum Glück war er ab und zu auch etwas ernst, denn ich konnte vor lauter Lachen fast nicht mehr.» Er sei halt ein Süddeutscher, die können immer gut Kabarett machen, glaubte ihre Kollegin.
Einfach grossartig
Christoph Sieber gönnte den Lachmuskeln bis zum Schluss keine Pausen. Etwas Zynismus, immer den versteckten oder offenen Humor im Mund, er gab alles. Schumis Kinn – im Windkanal getestet – verschonte er ebenso nicht wie die Rennsportszene.
«Formel 1, das ist etwas für Männer. Immer nur rundum fahren, das würden Frauen nie tun. Denn Frauen brauchen Ziele.»
Auch für Kompromisse wäre er zu haben, meinte der Kabarettist, welcher bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde. «Ich stehe bei der Fahrt zur Arbeit oft vor der Wahl, mit dem Auto oder dem Fahrrad dorthin zu gelangen. Ich mache den Kompromiss: Fahrt mit dem Auto und das Fahrrad hinten in den Kofferraum.»
Natürlich wollte das Publikum den Künstler am Ende nicht mehr loslassen. «Einfach grossartig», zog ein Besucher sein Fazit. Das sei hohe Kabarettkunst. Und der Künstler zog es vor, noch zwei Zugaben beizusteuern. «Das ist mir lieber als immer wieder vor das Publikum zum Applaus zu rennen.»

