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Das Publikum ist König

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GOLDACH. Am ersten von zwei Spezial-Abenden bei Kultur i de Aula trat mit Pippo Pollina ein Künstler auf, um den sich die Veranstalter schon lange bemüht hatten. Er enttäuschte nicht und zog das Publikum mit eindringlicher Musik in den Bann.

Corina Tobler

Wer erwartet hatte, bei Pippo Pollinas Konzert in der ausverkauften Aula nur gemütlich an seinem Tisch zu sitzen und der Darbietung des Cantautore zu lauschen, täuschte sich. Kaum hatte der charmante Italiener den Abend mit einigen gefühlvollen Balladen eröffnet, rief er das Publikum zur Mitarbeit auf.

129 Lieder zur Auswahl

«À la carte» heisst das Soloprogramm, mit dem Pollina in Goldach auftrat.

Die Idee dahinter ist einfach: So wie im Restaurant Essen bestellt wird, bestellt das Publikum zumindest einen Teil der Lieder selbst, die es am Konzert zu hören bekommt. Während sich die meisten in der 129 Titel umfassenden «Menükarte» etwas verloren, tat Susanne aus Au sofort ihren Wunsch kund, «Bella Ciao» zu hören. «Das ist aber ein Lied zum Mitsingen», kommentierte Pollina und holte sie prompt unter grossem Gelächter auf die Bühne.

Einem Auftritt als Sängerin entkam sie dann aber zu ihrer Erleichterung doch noch knapp und durfte stattdessen dem Meister zuhören.

Pollinas Gesang war eine Klasse für sich, ebenso wie sein gefühlvolles und sehr differenziertes Klavier- und Gitarrenspiel. Der Musiker schaffte es, mit seiner kraftvollen Stimme und viel Herzblut alle im Publikum in seinen Bann zu ziehen und bei «Volare» sogar zum lauten Mitsingen zu bewegen.

Ein besonderer Höhepunkt musikalischer Art war auch sein Spiel auf dem Tambourin – «in Italien ein traditionsreiches, vielfältiges Instrument, in der Schweiz sehr bekannt im Kindergarten», kommentierte Pollina trocken und provozierte damit einmal mehr lautes Gelächter.

Musiker mit Herz und Seele

Überhaupt hätte er durchaus auch als Komiker Karriere machen können.

Immer wieder liess er sich spontan auf Wortgefechte mit Gästen ein, die nicht nur aus der Gegend, sondern zur grossen Freude der Veranstalter teilweise sogar aus dem Aargau angereist waren. Pollina verstand es, sie alle mit Schalk, einer gehörigen Portion Selbstironie und italienisch-deutschen Wortgewandtheit zu verzaubern.

Zu jedem seiner Lieder wusste er eine Anekdote zu erzählen, wie etwa zu «Camminando» eine Erinnerung an seine Interrail-Reise durch Europa nach dem Abschluss seines Jurastudiums in Palermo oder zu «Chiaramonte Gulfi» die lustige Geschichte eines kleinen sizilianischen Dorfes.

Trotz der Heiterkeit vermitteln Pollinas Lieder aber auch ernsthafte Inhalte zu Themen wie Krieg oder Migration.

Melancholische, eindringliche Lieder kontrastierten so wirkungsvoll mit lebendigen Songs wie «Sambadìo». Diese musikalische Speisekarte kam bei den Zuschauern so gut an, dass sie mit tosendem Applaus Zugaben forderten. Pollina erfüllte diesen Wunsch gern, denn wenn im Restaurant der Gast König ist, so ist es bei Pollina das Publikum.