Bissige Satire und zarte Liebe
Das Kabarettistenduo «schön&gut» brachte das «Kultur i de Aula»-Publikum zum Lachen
Goldach. Der Abend mit der Hamburger Matrosentochter Katharina Gut und dem Grosshöchstetter Metzgerssohn Georg Schön wurde zu einem wahren Feuerwerk von Wortspiel, Poesie, Humor und Liebe.
GISELA TOBLER-DORNBIERER
Es beginnt belanglos und zufällig. Herr Schön (Ralph Schlatter) und Frau Gut (Anna-Katharina Rickert) treffen sich am Bahnhof von Grosshöchstetten, wo sie den Zug nach Konolfingen verpassen und gemeinsam auf den nächsten Anschluss warten. Sie ist aus Hamburg angereist, um ihre Grossmutter im Emmental zu besuchen. Er verlässt zum ersten Mal im Leben sein Heimatdorf und will endlich das Meer sehen.
Temporeiche Wortspielereien
Die beiden kommen ins Gespräch, indem sie Schweizer und deutsche Städtenamen zu einer Geschichte verwerten. Wer den temporeichen Wortspielereien folgen will, muss schnell denken können. Frau Gut hat am 1. August Geburtstag, was Herr Schön nicht akzeptieren kann: «Am 1. August kommt man zur Schweiz, eventuell mal nach Europa, aber sicher nicht zur Welt.»
Seitenhiebe Schlag auf Schlag
Politsatirische Seitenhiebe folgen Schlag auf Schlag. Das Rütli? Das ist doch die junge Bundesrätin Metzler, als sie noch ein kleines Mädchen war. Die das Kochbuch «Grissini und Alpenbitter» geschrieben hat. Wie bitte? Aber ja, wo sie alle Bundesräte in die Pfanne haut.
Warum hat die Schweiz vier Landessprachen? Damit man einander nicht versteht und das Bankgeheimnis gewahrt bleibt. Und unsere Landesflagge ist quadratisch, weil die Schweiz dem Rest der Welt eh so lang wie breit ist. Die Zuschauer kugeln sich vor Heiterkeit.
Bissige Feministin
Die Geschichten sind absurd. Herr Schön, mal ganz alternatives Weichei, und Frau Gut als bissige Feministin, gründen Anfang der Achtzigerjahre das autonome Kulturzentrum Konolfingen, wechseln zu den Küngelizüchtern und lassen Christkind und Osterhase zur Swiss Christhasen AG fusionieren, nehmen die unverwüstlichen Bastelbogen aufs Korn, machen die Hamburger Hafenrundfahrt zur Weltumsegelung, philosophieren über das Postautofahren und spannen den Bogen zur Globalisierung.
Happy End muss warten
Darüber hinaus erfährt das Publikum, dass im Metzgerssohn eigentlich ein Dichter steckt und in seinem Laden auch «Wiener Schnitzler» und «Die unerträgliche Leichtigkeit des Schweins» erhältlich sind. Oder dass ihre Grossmutter den englischen Regenschirmvertreter James ehelichte, ihre Mutter Pfarrerstochter und ihr Vater Matrose war und zu Hause als Kompromiss die Arche Noah gelesen wurde. Im Laufe des Abends kommen sich Herr Schön und Frau Gut näher. Es knistert gehörig, und alle erwarten den erlösenden Kuss. Doch das Happy End muss warten, mindestens noch zweimal zwanzig Jahre.
