Gehobener musikalischer Nonsens
Das Team «Kultur i de Aula» erhält für sein Engagement den Anerkennungspreis der Gemeinde Goldach
GOLDACH. Bevor «Die Echten» die Aula mit gehobenem musikalischen Nonsens in einen Hexenkessel verwandelten, sorgte Gemeindepräsident Thomas Würth für eine Überraschung.
GISELA TOBLER-DORNBIERER
Nach den Begrüssungsworten von Guido Schwalt traten nicht wie angesagt die «Die Echten» auf die Aula-Bühne, sondern Gemeindepräsident Thomas Würth. Er überreichte den mit 2000 Franken dotierten Anerkennungspreis, der von der Gemeinde seit 1995 alle zwei Jahre für spezielles Engagement verliehen wird.
Nicht selbstverständlich
Am Freitagabend galt diese Ehre dem Team «Kultur i de Aula»: Margrit und Bruno Zürcher, Sabine und Clemens Dudler, Hans Rechsteiner, Gabrielle und Nina Hanselmann, Thily und Jachen Mayer. Toni Frei, Werner und Maria Stuber, Sandra und Häns Tobler sowie Denise und Guido Schwalt. Ihr Kultur-Schaffen, mit Betonung auf Schaffen, wurde von Thomas Würth in einer Laudatio gewürdigt: «Es ist nicht selbstverständlich, dass sie immer wieder hochkarätige Künstler nach Goldach bringen. Und dies nicht etwa als Unternehmer, sondern aus reinem Idealismus, aus Freude an der Sache und ohne Entschädigung.»
Bedürfnis vorhanden
Der Anfang liegt über zwanzig Jahre zurück, als die Lehrerschaft der Oberstufe auf das Sitzungsgeld für ihre Konvente verzichtete, um Kulturveranstaltungen für die Schüler durchzuführen. Zur Eröffnung der Aula 1994 lockte das vierwöchige Programm «Kultur i de Schuel» über 4000 Besucher an. Das Bedürfnis nach Kultur war offenbar vorhanden, sodass im Winter eine Reihe von Veranstaltungen stattfand, allerdings mit mässigem Erfolg. Man ging nochmals über die Bücher, änderte den Namen auf «Kultur i de Aula», straffte das Programm und setzte die Schwerpunkte auf Kabarett, Comedy und Musik.
Seit 1998 gibt es das Abo «Kultur(s)pass», um die Leute zu animieren, mehrere Veranstaltungen zu besuchen. Im ersten Jahr wurden nur 33 Abos verkauft, doch schon zwei Jahre später waren es 240, und ab der Saison 2001 sahen sich die Veranstalter gezwungen, Doppelabende einzuführen. Zu den Höhepunkten der nun zehnjährigen Geschichte von «Kultur i de Aula» gehören Chris Barber Blues & Jazz Band, Dodo Hug, Acapickels, Oropax, Duo Fischbach oder String of Pearls. «Kultur i de Aula» habe heute in der ganzen Region einen Stellenwert erreicht, der nicht mehr wegzudenken sei, so der Gemeindepräsident in seinen Ausführungen: «Das spricht für Qualität, professionelle Organisation und ist in erster Linie ein riesiger Vertrauensbeweis, den sich das Team in vielen Jahren erarbeitet hat.»
Mit Charme und Schmäh
Dann hiess es Bühne frei für Österreichs verrückteste A-cappella-Band «Die Echten» mit ihrem Programm «Im Radio». Was als harmloser Studiobesuch geplant war, wurde zum skurrilen Nonsens und die Aula zum grossen Sendesaal am Bodensee, wo es von Beginn weg brodelte wie in einem Hexenkessel. Das Publikum kreischte vor Vergnügen über die freche Mischung aus Gesang und Humor der stimmgewaltigen Wiener, die mit ihrem technisch brillanten Mundwerk auch Blas-, Zupf- und Schlaginstrumente imitierten. Mit österreichischem Charme «Küss di Hand» und Schmäh «Bis deppat?» verballhornten Alexander Wartha, Andy Woerz, Stephan Gleixner und Patricia Simpson sämtliche Schlager und machten Songs wie «Under The Boardwalk» zum kratzenden «Wann da da Boat woxt» (wenn dir der Bart wächst) oder «Amadeus» zum wohlriechenden «Hamma Deos» (haben wir Deos).
Manchmal wars ein bisschen frivol, manchmal nahe der Gürtellinie, aber immer mit Niveau. Halt so, wie wir unsere österreichischen Nachbarn lieben. Zum Schluss wollte man sie gar nicht gehen lassen. «Die Echten» gaben alles, bis zur letzten Zugabe, die unter dem Motto stand: «Lass den Menschen rein und die Sau raus.»
