Aus dem Tagblatt vom 20.11.2006: St. Galler Tagblatt AG
Heiraten will geübt sein
Christian Hölbling tritt zum zweiten Mal bei "Kultur i de Aula" auf
goldach. Vergangenes Wochenende zeigte Christian Hölbling mit seinem preisgekrönten Comedy Programm "Helfried heiratet", wie man den Bund der Ehe zumindest theoretisch auch ohne Braut eingehen kann.
NIKLAUS REICHLE
Die Reaktionen im Publikum waren sehr unterschiedlich. Von "sauguet" bis gewöhnungsbedürftig war alles zu hören. Bei der Mehrheit der Anwesenden schien Hölbling mit seiner Kunstfigur Helfried jedoch gut anzukommen. "Ich muss schon lachen, wenn ich ihn nur ansehe", bemerkte eine Zuschauerin. Ein anderer Gast witzelte, dass das Programm nicht schlecht sei, während der ersten Hälfte sei er immerhin nicht eingeschlafen. In der Pause wurde dann in manchem Gespräch darüber gerätselt, ob der Comedian seine Show über ganze zwei Stunden, ohne dass Langeweile aufkommen werde, durchziehen könne. Den zufriedenen Gesichtern und dem schallenden Gelächter nach war diese Sorge jedoch unbegründet.
Übung macht den Meister
Im Programm "Helfried heiratet" übt Christian Hölbling alias Helfried das Heiraten ganz alleine ohne Braut. Diese will das Ganze Stück durch nicht auftauchen. So probt Helfried die Zeremonie kurzerhand alleine. Vom Anprobieren des Brautkleids über das moderat ausgelassene Beisammensein im Gasthof bis hin zur finalen Hochzeitsnacht wird nichts ausgelassen. Mit der Hilfe von Ingenieur Magenschab versucht Helfried, seine Heirat doch noch zum Gelingen zu bringen. Dabei kommen nicht zuletzt Helfrieds Obsessionen für Käfer und das Oberministrantenamt zum Vorschein, die auf dem Weg zur "Heirat" so manches Opfer fordern.
Publikum blieb nicht verschont
Immer wieder bezog Helfried sein Publikum ins Geschehen mit ein. So musste beispielsweise Goldachs Gemeindepräsident Thomas Würth, den es anscheinend zufällig traf, den Standesbeamten Smerslak stellen. Dieser übte jedoch laut Helfried sein Amt nur mangelhaft aus: "In der Privatwirtschaft wären sie wohl total aufgeschmissen Herr Smerslak." Thomas Würth gefiel der Comedy-Abend sehr gut. "Eigentlich habe ich mich in der vierten Reihe in Sicherheit gewähnt", sagte der Gemeindepräsident.
Gefragter Komiker
Christian Hölbling bereicherte das "Kultur i de Aula"-Programm nun schon zum zweiten Mal. Seit seinem ersten Besuch im Jahre 2003 hat sich viel getan. Hölbling gehört zurzeit zu den gefragtesten Komikern im deutschsprachigen Raum. Mit seiner eindrücklichen Kunstfigur Helfried trat er an diversen renommierten Humor- und Comedy-Festivals sowie in verschiedenen Fernsehprogrammen auf. Mit seiner schmächtigen Gestalt, dem braunen Langweiler-Anzug, der altmodischen Brille und dem unauffälligen Seitenscheitel scheint Helfried die richtige Mischung zu sein, um das Publikum zum Lachen zu bringen.
Angenehmes Publikum
Das Schweizer Publikum liegt Christian Hölbling sehr gut: "Die Schweizer sind ein sehr angenehmes Publikum, sie reagieren sensibel auf Feinheiten und haben ein Verständnis für Zwischentöne." Auf die Frage, wieso er nach Goldach zurückgekehrt sei, antwortet der Comedian mit einem Augenzwinkern: "Ganz einfach, man hat mich halt ein zweites Mal eingeladen."
