Aus dem Tagblatt vom 23.03.2007: St.Galler Tagblatt AG
Krönung durch Improvisation
Kultur i de Aula: Clown Linaz liess die Saison fulminant ausklingen, für 2007/08 wird nach gleichem Konzept geplant
Goldach. Das "Kultur i de Aula"-Team blickt auf erneut erfolgreiche Kulturabende zurück. Für einen krönenden Abschluss der zwölften Saison sorgte am Wochenende mit Clown Linaz ein Meister der Improvisation.
Lea Müller
"Wir bemühen uns jedes Jahr um ein vielseitiges Programm voller Überraschungen", sagte Veranstalter Guido Schwalt vor dem letzten Kulturabend der Saison. Augenzwinkernd versicherte er: "Heute Abend wird es viel zu lachen geben - Lienhard Anz alias Linaz spielt keinen Clown im üblichen Sinne."
Das Publikum einbezogen: Linaz holte Besucher als Assistenten auf die Bühne, spielte auch nach Stichworten von den Aula-Reihen.
Viele Talente vereint
"Seine Gestik und Mimik sind wahnsinnig ausdrucksstark", meinte ein Besucher in der Pause. "Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelacht" und "Erstaunlich, wie viele Talente sich hinter nur einem Künstler verbergen können", waren weitere Stimmen aus dem Publikum. In der Tat überraschte der in Bern lebende Deutsche mit seiner Wandelbarkeit.
Schnell schlüpfte er von einer Rolle in die nächste, stolperte tanzend von einer fröhlichen Gestik in eine wütende, wechselte seine Stimmlage von piepsend hoch bis zu erotisch tief, zeigte dem Publikum akrobatische Turnübungen, kämpfte mit den Tücken einer Rolle Klebeband. Ungeschminkt, mit Gel-Haaren, in einem japanischen Kimono und in übergrossen Hosen, wuselte er über die Bühne und zeigte mit zungenbrecherischer Geschwindigkeit, dass er auch als Geschichtenerzähler zum Nachdenken anregt.
"Atmosphäre ist toll"
Linaz vermochte das Publikum nicht nur mit dem Beherrschen zahlreicher Stilmittel der Kleinkunst zu begeistern. Er gab sich in der zweiten Hälfte des Abends auch als Meister der Improvisation zu erkennen, indem er sich aus dem Publikum willkürliche Begriffe zurufen liess und diese sogleich erzählend, pantomimisch und akrobatisch umsetzte. Spielerisch baute er das Publikum in seine Show ein, was ausgelassene und lockere Stimmung in die Aula brachte. Um ein Instrument zu spielen oder beim Aufblasen von Ballons zu assistieren - Linaz brauchte nicht lange nach Freiwilligen zu suchen.
"Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell der Funke beim Schweizer Publikum springt", sagte Lienhard Anz nach seinem Auftritt und fügte hinzu: "Vielleicht liegt es in Goldach aber auch an der tollen Atmosphäre, die hier in der Aula herrscht."
Mit der guten Stimmung in der Aula zeigte sich auch Guido Schwalt sichtlich zufrieden: "Die sechs Kulturprogramme dieser Saison sind beim Publikum sehr gut angekommen. Viele Leute gratulierten uns und versicherten, dass sie nächste Saison auf jeden Fall wieder kommen werden."
Konzept bleibt
"Kultur i de Aula" hat sich seit den Anfängen vor über zehn Jahren längst etabliert - beim Publikum und auch bei den Künstlern. "Heute müssen wir nicht mehr nach Künstlern suchen, sondern haben die Qual der Wahl angesichts der vielen Anfragen", sagt Guido Schwalt.
Trotz des grossen Erfolgs wird die Dauer der Saison jedoch nicht verlängert, wie Mitorganisator Werner Stuber betont: "Die Anzahl der Kulturabende ist genau richtig für unser Publikum. Es wäre nicht klug, mehr zu wollen, als gefragt ist." Auch das Konzept der "Vielfalt im Programm" werde beibehalten. "Es ist eine Herausforderung für uns, jedes Jahr ein breites Spektrum Kleinkunst anzubieten", sagt Werner Stuber und verrät: "Das Programm der kommenden Saison ist schon zur Hälfte festgelegt."
