Aus dem Tagblatt vom 02.03.2009: St. Galler Tagblatt AG
Reden ist Silber, Blättern ist Gold
"Stimmbänder-Suppe" à la Ohne Rolf: Trotz einfallsreicher Bekleidung und Jonas Anderhubs (l.) französischem Akzent blieb die Suppe ohne Wirkung und das Duo kommunizierte weiter per Plakat.
GOLDACH.
Ohne Rolf verblüfften das Publikum in der ausverkauften Aula mit überaus phantasievoller Kommunikation per Plakat und stellten unter Beweis, wieso sie mit ihrem Programm "Blattrand" schon mehrfach ausgezeichnet wurden.
Corina Tobler
Komiker mangelt es ja selten an Einfallsreichtum. Die einen imitieren Politiker und andere bekannte Persönlichkeiten, die anderen versuchen mit Kostümen und wildem Gestikulieren ihr Publikum zum Lachen zu bringen. Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg machen es sich dagegen sehr einfach: Anstatt ihre Pointen zu erzählen, schreiben sie sie auf Plakate und blättern sich durchs Programm.
Suche nach Stimmberechtigung
Mit dieser einfachen und doch genialen Idee, die vor zehn Jahren auf der Strasse entstand, haben sich die beiden als Duo Ohne Rolf in der Schweizer Künstlerszene mittlerweile einen Namen geschaffen. Ihr Programm "Blattrand", mit dem sie am Wochenende bei Kultur i de Aula zu Gast waren, ist schon mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen des Goldacher Publikums in der ausverkauften Aula. Ohne Rolf enttäuschten sie nicht. Sie zankten sich schriftlich um Umlaute und Schreibfehler, blätterten um die Wette und erzählten dabei auch noch eine Geschichte.
Durchs ganze Programm zog sich die Suche der beiden nach der "Stimmberechtigung". Anderhub und Wolfisberg versuchten alles Mögliche, um sich von ihren Plakaten zu lösen und sprechen zu lernen. Prominentes Opfer dieses Unterfangens wurde ein Grenzwächter - Goldach befindet sich ja im Grenzgebiet - in Form eines Radios, der die beiden Künstler hartnäckig nach ihren Papieren fragte. Nach einer Verfolgungsjagd durch das Publikum "überwältigten" die Komiker ihn schliesslich. In der Hoffnung, endlich sprechen zu lernen, verarbeiteten Ohne Rolf die "Stimmbänder" der Kassette zu einer Suppe. Deren Wirkung blieb allerdings trotz Kochmützen und -schürzen aus Papier, einem Chopin-Walzer als Hintergrundmusik und perfekt plakatiertem französischem Akzent völlig aus.
Doch ein Rolf auf der Bühne
So blieb den beiden nichts anderes übrig, als das Publikum zu befragen. Kurzerhand holten sie einen Zuschauer auf die Bühne, führten ihn in die Kunst des Blätterns ein und wollten von ihm erfahren, wie sie sprechen lernen könnten. Die amüsante Befragung blieb aber erfolglos, weil Ohne Rolf zu viele Plakate darauf verschwendeten, den Zuschauer für seine Begabung in plakativem Sprechen zu loben. Ein "Fehlgriff" war der ausgewählte Zuschauer am Freitag auch, weil er dem Namen der Künstler widersprach - wie sich nach dem Auftritt herausstellte. Ausgerechnet ein Rolf wurde auf die Bühne geholt. Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg amüsierten sich über den Zufallstreffer. "Wir treffen unsere Wahl immer spontan. Die Nummer mit dem Zuschauer wirkt immer gut, weil es oft fast besser aussieht, wenn man einfach nur blättert, ohne mit Mimik und Gestik zu arbeiten. Genau das machen die Zuschauer, denn sie wissen ja nicht, was auf den Plakaten steht. Dass es gerade einen Rolf trifft, ist aber sehr selten", sagte Wolfisberg lachend. Rolf Höhener hatte jedenfalls nicht damit gerechnet: "Ich war völlig überrascht, als ich auf die Bühne musste. Damit hätte ich nicht gerechnet, als ich hergekommen bin", sagte er verschmitzt.
Vermeintliches Malheur
Dies war aber nicht das einzig Verblüffende am Auftritt von Ohne Rolf. Die beiden tun - vielleicht abgesehen vom Blättern - nichts lieber als Fragen und Stirnrunzeln im Publikum auszulösen. Als Wolfisberg im ersten Programmteil wiederholt ein grosser Stoss Plakate vom Brett fiel, waren einige bedauernde Worte in der Aula zu hören. Später war aber plötzlich die Frage nach den Plakaten am Boden zu lesen, und diese wurden der Reihe nach aufgedeckt. Die Frage, wer dies schon von Anfang an durchschaut habe, war in der Pause Gesprächsthema Nummer eins.
Auch darüber, was es eigentlich mit Rolf auf sich habe, rätselten viele Zuschauer. Christof Wolfisberg sagt dazu nur: "Der Name gefällt uns, weil er sofort eine Frage weckt - und Fragen bleiben länger im Kopf haften als Antworten."
