Rorschach im Stimmenrausch
Acht A-cappella-Formationen tourten durch acht Lokale und Lokalitäten
rorschach. Zum dritten Mal glänzte das Internationale A-cappella-Festival Rorschach. Erstmals stand auch Goldach auf der samstäglichen Reiseroute. Trotz grösserem Angebot war für Kurzentschlossene kein Stuhl mehr frei.
Rosmarie Lutz
Wenn A-cappella in der Agenda steht, sind Spass und gute Laune angesagt. Wie in allen Lokalen in Rorschach und Rorschacherberg war auch in der Aula Goldach die Stimmung munter und die Vorfreude gross. Fast 100 Dreigangmenus wurden serviert. Die Organisation lief wie am Schnürchen und wurde vom Organisator 9400 Chorschach gelobt. Gekocht hatte das Team der Aula. «Sechs Leute der Schule Goldach waren eine Woche lang beschäftigt», berichtete Guido Schwalt, Präsident von Kultur i de Aula. «Wir haben vorher zu Hause probegekocht», gestand Schwalt schmunzelnd. Den Gästen hat es geschmeckt. Gruppiert an Zehnertischen rätselten sie um den spannenden Gewürzemix.
Jodel und mystische Göttinnen
Im Halbstundentakt trafen die fünf Formationen ein. Edeldicht betrat die Bühne in Bergschuhen, weissen Strumpfhosen und besticktem Rock. Für die Schweizer Volkslieder mit amerikanischem Akzent, den schrägen Jodel und die witzigen Texte über Nüsslisalat bekamen die zwei Zürcherinnen grossen Applaus.
Doch schon nach 20 Minuten stand der Wechsel an und darum war es auch sinnlos, eine Zugabe zu erklatschen. Mit Voxtasy kamen eine gemischte Gruppe aus Bern und viel Bewegung und Witz aufs Parkett. Ihr Stimmenspagat reichte von Rock bis Volksmusik. Atemberaubend mystisch und tiefgründig gab sich das Programm von Norn. Die drei Göttinnen, umhüllt von Fell und Wolle, verzauberten barfuss das Publikum. Atemberaubende Choräle und muntere Reigentänze sangen sie in der vokalstarken Sprache des Nordens, die sie selbst erfunden haben. Nicht nur die Originalität ihrer Stimmenvielfalt beeindruckte. Gestik, Mimik und Choreografie ergaben ein rundes Ganzes.
Wen nochmals sehen?
Quintessenz aus Wien präsentierte sich traditioneller. Mit dem dazugehörigen Outfit standen plötzlich fünf Elvis und fünf Blues Brothers mit passendem Musik-Potpourri auf der Bühne. Tolle Stimmen, witzige Show und A-cappella vom Feinsten gaben sie preis.
Heimisch und weiblich tönte Tricololas, das Trio aus Mörschwil. Wortspiele und Chansons, besonders über Mann und Winterspeck, ergaben einen frechen und kunterbunten Strauss. Rasant, komisch, abwechslungsreich und musikalisch hoch stehend war das A-cappella-Festival Rorschach auch dieses Jahr wieder. Die Fangemeinde wiegte sich im Stimmenrausch. Ein weisses Blatt forderte das Publikum am Ende des Abends auf zu wählen. Wen möchten Sie noch einmal sehen, fragte 9400 Chorschach.
Plausch für alle
Nicht nur die Zuschauerinnen und Zuschauer, auch die Sänger genossen das Festival. «Für die Formationen ist die Tour ein Abenteuer, denn sie wissen nicht, was sie in den Lokalen antreffen. Doch wir alle haben grossen Spass an der Sache und freuen uns immer wieder, dass die Gruppen von so weit anreisen», strahlte Katrin Grünig-Haag von Chorschach, die in Goldach moderierte. Die Aula hat die Herausforderung bestens gepackt. Von Seiten der Künstler wurden die grosse Bühne und das gute Licht sehr geschätzt. «Wir wären nächstes Jahr wieder dabei», erklärte Guido Schwalt begeistert.
