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Aus dem Tagblatt vom 15.01.2007: St. Galler Tagblatt AG
Satire hoch drei

"Kultur i de Aula": Mit bitterböser Politsatire ins neue Jahr gestartet

goldach. Der Kabarettist Andreas Thiel, musikalisch begleitet von "Les Papillons", traf mit seinem Programm "Politsatire!" voll ins Schwarze. Das Publikum schwankte zwischen Lachen und betroffenem Schweigen.
LEA MÜLLER

Andreas Thiel betrat die noch völlig dunkle Bühne und begrüsste das Publikum in der Aula mit den Worten: "Satire ist eine ernsthafte Form des Humors. Wenn es jemand nicht lustig findet, kann er auch ernst bleiben." Der Politsatiriker versicherte gleich zu Beginn, nicht über Politik, sondern über schöne Dinge wie Frauen, Haustiere oder das Essen zu reden. Fakt ist: Andreas Thiels scharfzüngiges Wortgefecht fand immer wieder zu seinen politsatirischen Hauptthemen zurück: Palästina-Konflikt, Krieg, Tod und Globalisierung warfen ihre Schatten auf die Bühne. So mancher Lacher blieb dem Publikum im Halse stecken.

"Saallicht!"
Der Berner Kabarettist mit akzentfreien Bühnendeutsch jonglierte gekonnt mit Wörtern, provozierte, brach ein Tabu nach dem anderen und bezog das Publikum - nach seinen Spielregeln - immer wieder in das Geschehen mit ein. Nach dem Befehl an die Technik: "Saallicht!", inspizierte er jeweils das hell beleuchtete Publikum, testete dessen Grammatikkenntnisse, suchte unter nach Zürchern, Homosexuellen und Akademikern. Auf die Frage "Wer hat studiert?", meldete sich niemand. Triumph für Thiel: "Akademiker lügen also wie gedrückt."
So wie Thiel mit Worten, so überraschte zwischen dessen Auftritten die Band "Les Papillons" mit einer musikalischen Wundertüte. Der Pianist Michael Giertz und der Violinist Giovanni Reber aus Basel spielten von Vivaldi über Beatles und Eigenkompositionen altbekannte, neue, melancholische und manchmal urkomische Melodien. Mit ausdrucksstarker Mimik, neckischem Hüftschwung und wehendem Haar entlockten sie dem Publikum Lacher. Drei Damen aus dem Publikum zeigten sich in der Pause begeistert: "Der Abend gefällt uns gut. Die Mischung zwischen Musik und Gesprochenem ist super."
Laut Organisator Guido Schwalt waren die zwei Kabarettabende ungewöhnlich schnell ausverkauft. "Thiel ist als Kabarettist sehr bekannt. Wie ich von Leuten aus dem Publikum gehört habe, ist seine Politsatire bis jetzt gut angekommen." Ein Gast hingegen gab sich nachdenklich: "Die Botschaften sind ernst und im Grunde bitterböse. Ich bin hin und her gerissen zwischen Lachen und Betroffenheit." So waren Diskussionen zu vernehmen, ob Thiel - gerade wegen seinem provokanten Umgang mit Homosexualität - nicht an die Grenze des Erträglichen stosse.

Humor als Strategie
Andreas Thiel weiss um das Wechselbad zwischen befreiendem Lachen und betretenem Schweigen: "Ich greife bewusst Tabuthemen auf. Über ernste Angelegenheiten lachen zu können, baut manchmal ungemein Druck ab." Humor sei für ihn ein Mittel, mit dem Weltgeschehen klarzukommen. Bereits zum zweiten Mal gastierte er vergangenes Wochenende in Goldach. Er mag das Ostschweizer Publikum: "Hier lachen die Leute gerne." Das Publikum bedankte sich denn auch mit tosendem Applaus: hintergründige Themen - drei Künstler in Hochform - Satire hoch drei.

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