Rorschach: 26. Oktober 2009
Scharfzüngiger Saisonauftakt
GOLDACH. Mit den Auftritten von Heinz de Specht startete Kultur i de Aula am Wochenende in die 15. Saison. Die drei Mundartmusiker überzeugten das Publikum mit Charme und teils gewagtem Wortwitz.
Corina Tobler
Schon der Titel «Macht uns fertig!», unter den Heinz de Specht alias Roman Riklin, Daniel Schaub und Christian Weiss ihr zweites Programm gestellt haben, liess die Besucher in der fast ausverkauften Aula einen Kulturabend mit wenig Rücksicht auf Tabus erwarten. Und tatsächlich nahmen die drei Musiker kein Blatt vor den Mund, als es darum ging, sich über die Kuriositäten der Mensch- und Tierwelt – die Welt der Spechte ausgenommen – zu äussern.
Publikum als Zielscheibe
Dazu erhoben sie sich selbst kurzerhand in die Rolle der weisen Ratgeber fürs Leben und machten die Gesellschaft – vorzugsweise vertreten durch das Publikum in der Aula – zu ihrer Zielscheibe. Sie wagten es ohne Weiteres, unter den Goldachern jene Art von Sektenmitgliedern und Vertretern von Reise- oder mGlücksspielfirmen zu vermuten, die ihnen bisweilen das Leben unerwünscht «versüssen» wollen. Für solche Angriffe ernteten die Spechte aber Gelächter und Applaus statt Buhrufe. Dies hatten sie zum einen ihrem Wortwitz und ihrer Kreativität zu verdanken, zum anderen einer gehörigen Portion Selbstironie.
Provokant bis makaber
Trotzdem gab es auch Momente, in denen der lockere Unterton verlorenging. Das Porträt eines Kriminellen in «Rosmarie» oder die Aussagen in «Hotline» über Beihilfe zum Suizid waren bisweilen nicht nur provokant, sondern schon makaber. Anderseits zeigten diese Texte auch eine gewisse Hilflosigkeit angesichts der Probleme der Welt auf. Eine Lösung dafür konnten nämlich auch die sonst so kreativen Spechte nicht präsentieren.
Komödiantische Einlagen
Dennoch hatten sie keine Mühe, nach ernsteren Liedern wieder für gute Stimmung zu sorgen, etwa indem sie sich dem immer wieder beliebten Thema mLiebe widmeten. In «Jeanny» etwa sangen sich die Mundartkünstler in den komischsten Reimen um den Verstand, in «Büüchli» taten sie ihre Komplexe aufgrund ihrer wachsenden Bierbäuche in komischer Verzweiflung kund. Auch die gelungenen Schauspiel-Einlagen zwischen den einzelnen Liedern sorgten immer wieder für Lacher, etwa eine Einschaltung von Sascha Ruefer als Live-Kommentator, der mehr Schwung und Rhythmus forderte. Letzterer Kritikpunkt war allerdings ungerechtfertigt.
Musikalisch auf hohem Niveau
Was Riklin, Schaub und Weiss musikalisch boten, war nämlich von hoher Qualität. Alle drei erwiesen sich als begnadete Instrumentalisten und Sänger: Sie setzten Klavier, Akkordeon, Cello und Gitarren in jeder Form ein, und der mehrstimmige Gesang wurde (fast immer) bestechend sicher vorgetragen. Immer wieder liessen Heinz de Specht auch musikalisch ihre Kreativität durchblicken. So bauten sie mitunter auch Spielzeuginstrumente ein. Einfallsreich war auch das Finale von «Macht uns fertig!», das in einem fulminanten Luftgitarren-Solo endete und die Zuschauer von den neuen Kissen auf ihren Stühlen aufstehen liess – nicht, um die Künstler mit Tomaten zu bewerfen, sondern für begeisterte Standing Ovations.
Online-Reservation rege benutzt
Der Saisonauftakt bot für das Team von Kultur i de Aula gleich mehrere Gründe zum Feiern. Zum einen kam der Auftritt von Heinz de Specht beim Publikum bestens an, zum anderen bewährten sich die Neuerungen, die auf die 15. Saison hin eingeführt wurden. «Das neue Online-Reservationssystem hatte zwar anfangs noch ein paar <Kinderkrankheiten>. Doch diese konnten wir rasch ausbessern und es funktioniert nun auf allen Betriebssystemen», sagte Werner Stuber. Das System wurde im Vorfeld der Saison zur Freude der Organisatoren rege benutzt: «Wir haben erneut über 400 Kulturpässe verkauft. Das ist phantastisch und gibt uns finanzielle Sicherheit.» Weil die Veranstaltungen so viel Publikum anlocken, erhält das Team auch von den Künstlern immer wieder begeisterte Rückmeldungen und Anfragen für Auftritte. «Das motiviert uns, uns weiter zu verbessern.»
