Aus dem Tagblatt vom 09.02.2009: St. Galler Tagblatt AG
Martina Schwarzmann machte den Goldachern mit Liedern, Gedichten und einem lockeren Mundwerk klar, wie schön das Leben sein kann.
Corina Tobler
GOLDACH. Klimawandel, Wirtschaftskrise, steigende Scheidungsraten - und dann goss es auch noch wie aus Kübeln: Es gab wahrlich genug Gründe, deprimiert zu sein, als Martina Schwarzmann am Samstag ihren Auftritt bei "Kultur i de Aula" hatte. Mit nichts weiter als einer Gitarre und einem losen Mundwerk bewaffnet machte sich die Bayrin daran, alle Probleme vergessen zu machen. Die goldenen Regeln dazu lassen sich aus ihrem Programm "So schee kons Lebn sei!"
zusammenfassen:
Erstens: Wenn dich die Probleme überwältigen, vergiss sie einfach einmal. Und dazu eignet sich nichts besser als eine Party, denn Feste bringen stets gute Laune mit sich. Praktischerweise sind Parties heutzutage auch stets dem Alter angemessen: Von den Trinkspielen an Teenagerfesten bis hin zu den 30- oder 50-plus-Parties ist alles verfügbar. "Obwohl letztere nur im absoluten Notfall zu empfehlen sind", warnt Schwarzmann und untermauert dies auch gleich musikalisch. Der grosse Vorteil all dieser Partyformen ist aber, dass man sich dabei oft an nichts mehr erinnern kann - wenn auch nur auf Zeit.
Doch auch wenn der Kater am nächsten Tag überstanden ist und sich die Probleme langsam wieder ins Bewusstsein schleichen, gibt es noch lange keinen Grund zur Panik. Denn dann könnte Regel Nummer zwei helfen: Sei dir selbst treu und hab Spass dabei. Wer das Gefühl hat, sich in einen Roboter verwandeln zu müssen, um alle Erwartungen zu erfüllen, sollte sich nicht verbiegen. Ganz nach Schwarzmanns Prinzip: Warum Hochdeutsch sprechen, wenn's auch auf Bayrisch geht? Denn abgesehen von der Tatsache, dass sich jeder am wohlsten fühlt, wenn er in seiner eigenen Sprache reden kann, bergen Dialekte unzählige Möglichkeiten, sich zu amüsieren. Während sich die Schweizer über das "Spuiln" statt "Spielen" der Bayern ein Schmunzeln nicht verkneifen können, provozieren sie auf der Gegenseite mit ihren "selbstzerstörerischen K's" ein herzhaftes Lachen. Ähnlich positive Effekte kann es haben, an Traditionen festzuhalten - oder aber sie neu zu erfinden. "Am Oktoberfest zum Beispiel geht das super. Wenn etwa Japaner am Tisch sitzen, erzählst du ihnen einfach, es sei eine alte bayrische Tradition und bringe Glück, das Wasser bei der Weisswurst mitzutrinken. Schon habt ihr alle etwas zu lachen", rät Schwarzmann.
Dieser Ratschlag könnte allerdings rechtschaffene Leute in einen Konflikt bringen, denn immerhin ist es dazu nötig, der Wahrheit etwas Spielraum zu geben. Gewissensbisse sind aber kein Grund, sich vom Weg zu einem glücklicheren Leben abbringen zu lassen, denn es gibt ja die dritte Regel: Ehrlichkeit ist gut, Vertrauen ist besser. Dieses ist grundlegend für zwischenmenschliche Beziehungen, sogar am Oktoberfest. Weisswurstwasser wird nur getrunken, wenn die Touristen darauf vertrauen, dass man ihnen die Wahrheit sagt. Das beste Beispiel für die Bedeutung von Vertrauen seien aber Partnerschaften, sagt Schwarzmann. "Es ist doch eindeutig: Beziehungen, in denen Ehrlichkeit grossgeschrieben wird, halten viel weniger lange als solche, in denen die Partner einander vertrauen." Doch selbst wenn Vertrauen Beziehungsprobleme vermeiden kann, ist immer noch nicht alles eitel Sonnenschein.
Das tägliche Leben bringt Herausforderungen mit sich, für die Selbstvertrauen entscheidend ist. Genau an diesem hapert es vielleicht beim einen oder anderen. Dann sollte man sich Regel vier hinter die Ohren schreiben: Du musst nicht alles auf einmal anpacken. Oft scheitert die Lösung eines Problems nicht an Unkenntnis, sondern an mangelnder Zeit. Dafür hält Schwarzmann den Spruch "mir glangt, dass i woas, dass i 's kann" bereit, der das Selbstvertrauen ungemein aufbaut. Besonders praktisch: Dank Regel drei können die Worte auch eingesetzt werden, wenn tatsächlich einmal Ratlosigkeit herrscht.
Und sollten Regeln eins bis vier nicht geholfen haben, ist da immer noch Regel fünf: Alles ist eine Sache der Perspektive - auch das Glück.
