Aus dem Tagblatt vom 24.11.2008: St.Galler Tagblatt AG
Warum die Maus grau und Schweizerdeutsch so einfach ist
Malediva begeisterten das Publikum bei "Kultur i de Aula". In einem Programm, dessen einzige Konstante ein ständig streitendes Pärchen war, bewiesen die drei Künstler komisches und musikalisches Talent.
Corina Tobler
Es gibt wohl kaum etwas Nervtötenderes, als einen ganzen Abend lang die endlosen Streitereien des Pärchens in der Nachbarwohnung anhören zu müssen - im Normalfall. Wenn sich aber Tetta Müller und Lo Malinke von Malediva in ihrem Programm "Ab heute verliebt" in die Haare geraten, ist das trotz stundenlanger Dauer äusserst kurzweilig anzusehen und zu hören. Denn ihre Wortgefechte enden nicht in Tränen, sondern mit Gelächter und überraschenden Erkenntnissen.
Problematische Beziehung
Der Abend bei "Kultur i de Aula" begann rasant: Begleitet von Florian Ludewig am Flügel, beschimpften sich Tetta Müller und Lo Malinke lautstark gegenseitig und wünschten, sie hätten sich nie getroffen. Nach und nach erfuhr das Publikum von den Problemen des urkomischen Pärchens. Während Müller seine laute Art und seine Vorliebe für "hässliche Dinge" vorgeworfen wurde, beschwerte sich dieser über das Desinteresse seines Partners an ihm. "Da tut es richtig gut, wenn wieder einmal einer dieser Verkäufer anruft - die erkundigen sich immer so freundlich, wie es mir geht", meinte Malinke lakonisch. Nicht nur der Inhalt dieser Streitereien, sondern auch die lebhafte Mimik und Gestik der Künstler sorgte für schallendes Gelächter. Einen extremen Gegensatz dazu bildeten die gefühlvollen Balladen, die das Trio einstreute - meist genau nach den heftigsten Wortgefechten. Müller und Malinke entpuppten sich dabei als ausgezeichnete Sänger.
Unerwartete Einsicht
Mit Liedern über auseinanderdriftende Paare und Leute, die die Suche nach der perfekten Beziehung aufgeben, weil diese zur Illusion verkommen ist, schufen sie in der Aula eine nachdenkliche Stimmung. Bei den abrupten Stimmungswechseln beeindruckte auch Florian Ludewig mit seinem einfühlsamen und variantenreichen Klavierspiel.
Allerdings waren die Phasen der Ernsthaftigkeit von Malediva jeweils schnell wieder vorbei. Und so machten sie sich ein Vergnügen daraus, weiterhin charmant zu streiten und dabei nichts und niemanden ernst zu nehmen. So musste auch Pianist Florian Ludewig als Opfer herhalten. Seine Kollegen entschuldigten sich beim Publikum für ihn. "Er hat eben das Klavierspielen mit farbigen Tasten gelernt - aber wenigstens streicht er wie ein Kätzchen über die Tasten", meinte Müller. Woraus Malinke geistreich schloss: "Eine Katze hat's auch einfacher, die sieht nur schwarz-weiss. Darum sind ja Mäuse grau."
Publikum musste herhalten
Noch während sich das Publikum köstlich über diese Logik amüsierte, wurde es selbst zur Zielscheibe. Malinke, der während des Abends gelegentlich Sprachprobleme bekundete, erinnerte sich, wie oft er als Kind wegen seiner lärmempfindlichen Eltern still sein und puzzlen musste. Müller packte die Gelegenheit beim Schopf und belehrte seinen Partner, der das Wort nach deutscher Manier mit "u" ausgesprochen hatte. "Wir sind doch hier in der Schweiz, da musst du <a> sagen", meinte er. Worauf Malinke erkannte, dass Schweizerdeutsch gar nicht schwierig sei. "Einfach immer <a> statt <u> sagen. Aber was ist daran, bitte, so toll?"
Die Goldacher nahmen die Kritik mit viel Humor. Erst nach drei Zugaben liessen sie sich von den Künstlern musikalisch eine gute Nacht wünschen - um viele Erkenntnisse über das Leben, die Tücken der Liebe und die Kunst des Streitens reicher.
