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Aus dem Tagblatt vom 12.02.2007: St. Galler Tagblatt AG
"Zwei sind eine zu viel"
Kultur i de Aula: Ulrich Michael Heissig amüsierte in einem knefschen Doppelspiel der Extraklasse

GOLDACH. Ulrich Michael Heissig schuf mit seiner Bühnenfigur "Irmgard Knef" keine Parodie, sondern ein würdevolles Andenken an die legendäre Hildegard Knef.
LEA MÜLLER

Ein Mann, der sich als Frau verkleidet und der weltbekannten, verstorbenen Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef kurzerhand eine Zwillingsschwester andichtet - kann das gut gehen? Der deutsche Kabarettist Ulrich Michael Heissig räumte in seinem Programm "Die letzte Mohikanerin" mit solchen Zweifeln auf.

Rote Rosen für die Knef
Blondhaarperücke, ein dick getuschter Wimpernkranz, eine glitzernde Bluse und eine riesige Sonnenbrille - Ulrich Michael Heissig hat sich seine Bühnenrolle als fiktive Zwillingsschwester der legendären Hildegard Knef perfekt auf den Leib geschneidert.
Etwas tattrig betritt Irmgard Knef die Bühne und verblüfft schon im ersten Chanson mit einer Stimme, die, rauchig und tief, jener Hildegards zum Verwechseln ähnlich ist. In Anlehnung an den Knef-Hit "Eins und Eins" singt sie "Eine ist besser als keine, doch zwei sind eine zu viel". Irmgard, die jahrzehntelang verleugnete Schwester, möchte im Alter von 81 Jahren endlich aus dem Schatten der grossen Schwester treten. Schliesslich habe sie, Irmgard, die Chansons, Liedtexte und Bücher geschrieben und von der berühmten Schwester Schweigegeld kassiert. Sie weiss, dass es für sie keine "Rote Rosen" regnen wird; die grosse Schwester sei ihr halt das ganze Leben lang schon zehn Minuten voraus.
Irmgard ist die letzte "Mohikanerin", die Letzte ihrer Art sozusagen. Der Lack ist ab, ihr Wimpernfabrikant tot, die Leidensgenossinnen Renate Uhse und Helene Dietrich auch, doch das Leben geht weiter: Mit einem süffisanten, feinen Humor plaudert die Doublette Knefs über verdeckt satirische Themen und beleuchtet singend die Politik und Gesellschaft des heutigen Europas.

Gekonntes Doppelspiel
Auf eindrückliche Weise gelang es Heissig, der verstorbenen Hildegard liebevoll zu gedenken und der "Zwillingsschwester" Irmgard eine eigene Handschrift zu verleihen. Ein Gast aus Rorschach, ein Verehrer Knefs, sagte in der Pause: "Unglaublich, wie viel von Irmgard an Hildegard erinnert. Die Stimme, die zittrigen Hände und die Sätze, die sie manchmal undeutlich zu Ende spricht und dabei den roten Faden verliert, erinnern stark an die Hildegard, wie sie einem in Erinnerung geblieben ist." Eine Besucherin aus St. Gallen fügte hinzu: "Es gefällt mir sehr gut, auf welch feinfühlige und respektvolle Art er sich mit der echten Knef auseinandersetzt."

Ein Heimatlied für Goldach
Aller Ähnlichkeit mit dem Original zum Trotz setzte Heissig aber auf eine eigenständige Irmgard, die sich im Vorfeld des Abends nämlich ausdrücklich mit Goldach und der Region Rorschach beschäftigte. Nach einem Spaziergang in der "Spisergasse von St. Gallen" verliebte sie sich tags zuvor in einem Rorschacher Club unglücklich in "Urs aus Staad", tröstete sich dann mit dem Verzehr eines knackig frischen Salats, und singt einen Tag später in der Aula: "Goldach, Goldach ich bin gerne bei dir. Goldach, Goldach, hier fühle ich mich wach. Jedem Kritiker zeige ich die schöne Aula, der wird vor Neid ganz blass." Mit dem Einbeziehen der lokalen Umgebung in seine Show landete Heissig denn auch den grössten Coup und drang endgültig zum Publikum durch.

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